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KDV - Auslandsdienst

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Auslandsdienst mit der Arbeitsstelle Frieden und Umwelt

 Referent: Pfarrer Friedhelm Schneider

Wichtiger Hinweis:
Am 17. Juni 2010 hat der Bundestag mit den Stimmen der Regierungsmehrheit das Wehrrechtsänderungsgesetz 2010 verabschiedet. Darin wird die bewährte Regelung außer Kraft gesetzt, nach der bisher Auslandsdienste anerkannter Kriegsdienstverweigerer durch einen Zuschuss des Bundesamtes für den Zivildienst gefördert wurden.
Bis zur abschließenden Klärung und Prüfung der künftigen staatlichen Förderbedingungen sehen wir uns zu unserem Bedauern veranlasst, das Angebot unserer Auslandsdienste auszusetzen.

Dafür, dass in Deutschland "Kriegsdienstverweigerung" und "Zivildienst" keine Fremdwörter werden, sorgen z. Zt. 90.000 "Inlands-Zivis". Weniger bekannt ist, dass es für Kriegsdienstverweigerer die Möglichkeit gibt, anstelle des deutschen Zivildienstes einen Auslandsdienst zu leisten. Und nur „Insider“ wissen, dass die Evangelische Kirche der Pfalz 15 Plätze für einen solchen sozialen Friedensdienst in Frankreich und Belgien vermittelt und unterstützt.

In Zusammenarbeit mit kirchlichen Partnern in Frankreich und Belgien vermitteln wir Pfälzer Kriegsdienstverweigerern die Gelegenheit, länderübergreifende Erfahrungen in den Bereichen der Jugendfürsorge, Alten-, Behinderten- oder Gemeindearbeit zu machen.

Wer sich vorstellen kann, "abseits von Anilin und Pfalz" als Kriegsdienstverweigerer 12 Monate im Ausland zu verbringen, erhält Informationen über den "Geheimtip" Auslandsdienst statt Zivildienst bei der:

Arbeitsstelle Frieden & Umwelt
der Evangelischen Kirche der Pfalz
(Prot. Landeskirche)
Hr. Pfr. Friedhelm Schneider
Große Himmelsgasse 3
67346 Speyer
fon: (06232) 67 15-0

 Friedhelm Schneider

 
Nähere Informationen finden Sie auch hier:
Auszüge aus unserem Jahresbericht 1999

Hinweise für Interessenten

Unser Auslandsdienst folgt den Regelungen für ein Freiwilliges Soziales Jahr im Ausland gemäß dem Jugendfreiwilligendienstegesetz (JFDG). Er dauert 12 Monate und wird gemäß § 14 c Zivildienstgesetz als Ersatz für den deutschen Zivildienst anerkannt.

Dienstbeginn ist jeweils der 01. Juli, Dienstende der 30. Juni des Folgejahres.

Die Arbeitsstelle Frieden & Umwelt vermittelt Pfälzer Kriegsdienstverweigerer nach Frankreich und Belgien. Mögliche Tätigkeitsbereiche sind die Arbeit mit Obdachlosen, ein Dienst in der Jugendfürsorge, Alten-, Behinderten- oder Gemeindearbeit. Reich werden können unsere Auslandsdienstler vor allem an Erfahrung. Dennoch wird kein Engagement zum Nulltarif verlangt - dank kirchlicher und staatlicher Fördermittel können wir eine Basis-Unterstützung sicherstellen, die folgende Leistungen umfasst:

  • Während des Auslandsjahres übernimmt die Auslandsdienststelle Unterkunft und Verpflegung.
  • Die Arbeitsstelle Friedensdienst übernimmt die notwendigen Versicherungen (Kranken- und Sozialversicherung) sowie ein monatliches Taschengeld von 150,-- Euro.
  • Bestandteil der Auslandsdienstzeit sind dienstbegleitende Seminare zusammen mit unseren französischen und belgischen Partnern („Année Diaconale“, Straßburg, und „Service Protestant de la Jeunesse“, Brüssel). Der Dienst beginnt Anfang Juli mit einem zweiwöchigen Vorbereitungsseminar in der Pfalz, er endet hier mit einer Rückkehrwoche zum Abschluss der Dienstzeit. Zwei weitere Seminarwochen finden im Ausland statt.

Die Auswahl der Interessenten wird jeweils im Januar aufgrund der eingereichten Bewerbungsunterlagen („Dossier de candidature“) und eines Einzelgesprächs vorgenommen. Für die Zuordnung zu den einzelnen Dienststellen laden wir im Frühjahr zu einem Gruppentreffen ins Elsass ein.

Arbeitsstelle Frieden & Umwelt
der Evangelischen Kirche der Pfalz
(Prot. Landeskirche)
Hr. Pfr. Friedhelm Schneider
Große Himmelsgasse 3
67346 Speyer
fon: (06232) 67 15-0

 Friedhelm Schneider

Auszug aus dem Zivildienstgesetz
§ 14c Freiwilliges Jahr

(1) Anerkannte Kriegsdienstverweigerer werden nicht zum Zivildienst herangezogen, wenn sie sich nach ihrer Anerkennung als Kriegsdienstverweigerer schriftlich zu einem freiwilligen Dienst nach dem Jugendfreiwilligendienstegesetz verpflichtet haben, der mindestens zwei Monate länger dauert als der Zivildienst, den sie sonst zu leisten hätten. Der Dienst ist spätestens ein Jahr nach der Verpflichtung sowie vor Vollendung des 23. Lebensjahres anzutreten. Die Verpflichtung ist gegenüber einem Träger zu übernehmen, der nach dem Jugendfreiwilligen-
dienstegesetz zugelassen ist.

(2) Die Träger nach Absatz 1 Satz 3 sind verpflichtet, dem Bundesamt das Vorliegen sowie den Wegfall der Voraussetzungen für die Nichtheranziehung von anerkannten Kriegsdienst-
verweigerern zum Zivildienst anzuzeigen.

(3) Weisen anerkannte Kriegsdienstverweigerer bis zur Vollendung des 24. Lebensjahres nach, dass sie Dienst gemäß Absatz 1 geleistet haben, so erlischt ihre Pflicht, Zivildienst zu leisten; das gilt nicht für den Zivildienst im Verteidigungsfall. Wird der Dienst vorzeitig beendet, so ist die im Dienst zurückgelegte Zeit, soweit sie zwei Monate übersteigt, auf den Zivildienst anzurechnen.

 

Auslandsdienst in Frankreich statt Zivildienst in Deutschland

Ein ganzes Bündel von Motiven ist es, das junge Männer dazu veranlassen kann, statt des deutschen Zivildienstes Erfahrungen in einem europäischen Nachbarland zu suchen: Neben dem Anreiz, die persönlichen Fremdsprachenkenntnisse zu verbessern, steht die  Herausforderung, außerhalb des gewohnten Umfeldes selbständig in einer neuen Umgebung zurecht zu kommen.

Friedhelm Schneider (Arbeitsstelle Frieden und Umwelt, Pfalz)

Da will jemand seinen Horizont erweitern, die Alltagswirklichkeit einer anderen Kultur kennen lernen und sich vielleicht über die Möglichkeit einer grenzüberschreitenden Ausbildung klar werden. Nicht zuletzt wird immer wieder der Wunsch genannt, etwas gesellschaftlich Sinnvolles zu tun und sich für ein menschenfreundliches Europa zu engagieren. Wo diese Erwartungen sich mit der Offenheit für neue Erfahrungen und der Bereitschaft für einen sozialen Dienst verbinden, werden sie selten enttäuscht.

Von den Teilnehmern an unseren Auslandsdiensten in Frankreich erreichen uns oft Rückmeldungen wie die folgenden: „Durch den Blick auf Deutschland von außen habe ich eingesehen, dass unser Land mit seiner Bevölkerung zu schön ist, als dass man dieses Gefühl rechtsradikalen Krawallbrüdern überlassen sollte. – Sprachen interessieren mich mehr als vorher und deren Kenntnis nimmt heute einen höheren Stellenwert ein. – Mein Selbstbewusstsein hat sich vergrößert. Ich weiß, dass ich ein Jahr in einem fremden Land mit fremder Sprache bestehen kann und diese am Ende fließend spreche."

Auch wenn die deutsch-französischen Beziehungen sich erfreulich gut entwickelt haben, bietet der Alltag persönlicher Begegnungen immer wieder Raum für Friedensdienst-Erfahrungen. Freiwillige erzählen von Situationen, in denen sie ihnen begegnende Vorurteile gegen Deutsche widerlegen und eigene Vorurteile abbauen. Ihr Frankreich-Aufenthalt als Ausländer auf Zeit führt nach der Heimkehr oft zu einer sensibleren Wahrnehmung der Probleme, die Migranten in Deutschland haben. Längst fallen im deutsch-französischen Verhältnis die Konfliktlinien nicht mehr mit den Ländergrenzen zusammen.

Friedensgefährdende Entwicklungen finden sich, unterschiedlich ausgeprägt, auf beiden Seiten des Rheins. Zu ihnen gehören Rechtsextremismus und Ausländerfeindlichkeit, ein selektiver Umgang mit den Schattenseiten der Vergangenheit, die Ausgrenzung bildungs- und einkommensschwacher Bevölkerungsgruppen und immer wieder die Versuchung, statt langfristiger Maßnahmen der Gewaltprävention vorrangig den Einsatz polizeilicher und militärischer Kräfte auszuweiten.

Die Auseinandersetzung mit diesen Fragen spricht regelmäßig aus den Berichten der jungen Männer, die an unseren Auslandsdiensten und Begleitseminaren teilgenommen haben. Einer von ihnen schreibt im Rückblick auf sein Frankreichjahr: „Mir ist klar geworden, dass unser Dienst auch eine Form von Widerstand beinhaltet. Widerstand gegen eine Gesellschaft, in der es Menschen gibt, die im Abseits stehen. Menschen, die nicht dem Idealbild entsprechen. So ist es für den einen die Arbeit in einem Alterheim, für den anderen die Betreuung von Schwerstbehinderten, die dazu beiträgt, am Rande der Gesellschaft lebenden Menschen neuen Mut zu geben oder sie zu reintegrieren. Früher kamen deutsche Soldaten nach Frankreich und verbreiteten dort Angst und Schrecken, heute zeigen junge Friedensdienstleistende mit ihrem Engagement in sozialen Einrichtungen, dass der Feind von einst längst Freund geworden ist.  Diese Freundschaft aufrecht zu erhalten und weiter auszubauen bedeutet mir viel.“

160 Jahre ist es her, seit Victor Hugo in seiner Eröffnungsrede zum Pariser Friedenskongress  (1849) die große Vision beschwor: Eines Tages werden die europäischen Länder ihre Waffen fallen lassen und sich zum Bruderbund der Vereinigten Staaten von Europa  zusamzusammenschließen. Sie werden den Vereinigten Staaten von Amerika über das Meer hinweg die Hand reichen und gemeinsam die friedliche Entwicklung von Menschheit und Schöpfung fördern.

Auch wenn noch sehr viel zu tun bleibt, hat die deutschfranzösische Aussöhnung den Weg Europas in diese weite Perspektive vorangebracht. Über den Westwall und die Maginot-Linie hinaus ist es gelungen, Mauern der Erbfeindschaft in den Köpfen zu überwinden. Nach den Jahren des deutsch-französischen Aufbruchs und der großen Versöhnungsgesten bleibt es heute wichtig, das Erreichte bewusst zu machen, zu bewahren und trotz gelegentlicher Ermüdungserscheinungen fortzuführen. Dazu leisten Freiwilligendienste einen wesentlichen Beitrag.

Friedhelm Schneider ist Leiter der Arbeitsstelle Frieden und Umwelt der Evang. Kirche der Pfalz.

 

Erfahrungsberichte von Auslandsdienstleistenden

„Meinen Auslandsdienst habe ich in einem Heim für schwererziehbare und geistig behinderte Jugendliche in Belgien geleistet. Ich denke, dass ich durch meine Tätigkeit und Erlebnisse dort zu Völkerverständigung und Frieden in Europa - gerade unter jungen Menschen - beigetragen habe. So begrüßte mich zum Beispiel ein fünfzehnjähriger Schwererziehbarer monatelang mit „Heil Hitler, sale boche!“ bis er mich dann mit „l'allemand“ und schließlich mit meinem Vornamen Christoph anredete, da er den Menschen in mir, unabhängig von der Nationalität, erkannt hatte. Ich bin überzeugt, dass es im Sinne Deutschlands und der Bundesregierung ist, Mauern und Vorurteile in den Köpfen anderer Völker (und auch in unseren eigenen) abzubauen und zu zeigen, dass die Deutschen keine Nazis mehr sind und dass nicht alle die Häuser ihrer ausländischen Mitbürger niederbrennen ... “
(Christoph Vatter, Auslandsdienst in einem belgischen Behindertenheim)

„Da ich mittags und abends im großen Speisesaal mit den Pensionären zusammen aß, bekam ich unzählige Geschichten aus ihrem Leben erzählt - hauptsächlich aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges. Jedes der Schicksale ist anders verlaufen, je nachdem ob der Erzähler Lehrer, Bauer oder Fabrikarbeiter war. Alle sind jedoch durch Leid, Hunger und Tod geprägt - und durch die schwere Aufgabe, mit dem Erlebten weiterzuleben ...

Mein Aufenthalt hier, in der Maison de Retraite (Altersheim), war ein ständiges Geben und Nehmen. Ich half den Pensionären bei der Toilette, begleitete sie in den Speisesaal und durfte dafür an ihren Erinnerungen teilhaben. Er ermöglichte mir auch, persönliche Grenzen zu überwinden ...“
(Dirk Weilemann, Auslandsdienst in einem französischen Altenheim)

„Ich bin der Meinung, dass man erst in einem Land selbst dessen Kultur, dessen Bewohner sowie deren Art zu leben kennenlernen kann. Seit ich hier bin, habe ich viele Erfahrungen gemacht, die ich in dieser Form in Deutschland wohl nicht hätte machen können. Angefangen bei der Jugendarbeit, die einem deutschen Zivi nicht offensteht, bis hin zu ganz persönlichen Erlebnissen, die eng an Frankreich gebunden sind.

Im Rahmen einer Seminarwoche zusammen mit anderen deutschen Auslandsdienstlern und französischen Zivis wurde mir außerdem klar, dass unser Dienst auch eine Form von Widerstand beinhaltet. Widerstand gegen eine Gesellschaft, in der es Menschen gibt, die im Abseits stehen. Menschen, die nicht dem Idealbild entsprechen. So ist es für den einen die Arbeit in einem Alterheim, für den anderen die Betreuung von Schwerstbehinderten, die dazu beiträgt, am Rande der Gesellschaft lebenden Menschen neuen Mut zu geben oder sie zu reintegrieren.

Früher kamen deutsche Soldaten nach Frankreich und verbreiteten dort Angst und Schrecken, heute zeigen junge Friedensdienstleistende mit ihrem Engagement in sozialen Einrichtungen, dass der Feind von einst längst Freund geworden ist. Diese Freundschaft aufrecht zu erhalten und weiter auszubauen bedeutet mir viel ...“
(Frank Keiner, Auslandsdienst in einem elsässischen Jugendbegegnungszentrum)