Nicht nur durch die rosa Brille schauen:
50 Jahre Zivildienst
50 Jahre Zivildienst sind Anlass, dankbar das soziale Engagement von 2,7 Millionen Zivildienstleistenden zu würdigen. Als anerkannte Kriegsdienstverweigerer haben sie ihr persönliches Nein zu Waffengewalt und militärischen Interventionen zum Ausdruck gebracht. Zugleich haben sie durch ihren Dienst zur humaneren Gestaltung einer Gesellschaft beigetragen, in der hilfsbedürftige Menschen unabhängig von ihrer Leistungsfähigkeit oder Kaufkraft persönliche Zuwendung erfahren.
Trotz dieser positiven Erfahrungen sollte der Rückblick auf 50 Jahre Zivildienst die massiven Vorbehalte und Benachteiligungen nicht verdrängen, denen Zivis lange Zeit durch staatliche Stellen ausgesetzt waren. Das Spektrum dieser Maßnahmen reichte von einer oft entwürdigenden mündlichen Gewissensprüfung bis zu einer verlängerten Zivildienstdauer, die die Lebensplanung zahlreicher Zivis erschwert hat.
Lernen aus der Geschichte könnte hier heißen, dass das deutsche Außenministerium sich in seiner Menschenrechtspolitik konsequent dafür einsetzt, dass das Recht auf Kriegsdienstverweigerung aus Gewissensgründen international geachtet und nicht-diskriminierend ausgestaltet wird. Kriegsdienstverweigerer in der Türkei, in Griechenland, Russland, Armenien und vielen anderen Ländern wären dafür dankbar.
Speyer, den 10.4.2011
Friedhelm Schneider, Pfarrer
Arbeitsstelle Frieden und Umwelt
der Evangelischen Kirche der Pfalz
Große Himmelsgasse 3
67346 Speyer
Tel.: 06232 - 67150
Fax: 06232 - 671567
schneider@frieden-umwelt-pfalz.de
Einen Überblick über Entwicklungen im deutschen Zivildienst gibt der Artikel “Vom Strafbataillon an der Sozialfront zum Lerndienst“ (Evangelischer Kirchenbote 15/2011):
http://www.evpfalz.de/kirchenbote/index.php?id=46&tx_ttnews[tt_news]=281&cHash=c67daaf5c0e29bfc26a291982aaa7af8